Projekt Silphie

Die Silphie

Die Durchwachsene Silphie (Silphium perfoliatum), kurz: Silphie, ist eine aus Nordamerika stammende Pflanzenart aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae). Sie ist eine ausdauernde und mehrjährige Pflanze, die sich in den letzten Jahren aufgrund ihrer großen Biomasseproduktion zu einer aussichtsreichen Alternative zum Mais als Energiepflanze entwickelt.

Vorteile gegenüber konventionellen Kulturpflanzen:

  • Die Silphie ist eine mehrjährige Staudenpflanze, die 15 bis 20 Jahre genutzt werden kann. Die langanhaltende Bodendeckung und bis zwei Meter tiefe Durchwurzelung wirkt sich positiv auf Bodenleben, Erosionsschutz, Humusaufbau, Wasserhaltevermögen und Stickstoffgehalt des Bodens aus.
  • Ab dem zweiten Standjahr sind keine Bodenbearbeitungen und keine Pflanzenschutzmaßnahmen mehr nötig und es gibt keine Schäden durch Wildschweine.
  • Blühende Silphiefelder lockern das Landschaftsbild auf und sind ein attraktiver Lebensraum für Insekten und andere Tierarten. Die späte und lange Blühphase (Juli bis September) bietet vielen Insekten und damit auch den Bienen wertvolle Nahrung in einer sonst blütenarmen Zeit.

Trotz dieser vielfältigen Vorteile konnte sich die Pflanze bisher nicht durchsetzen, denn es war eine aufwendige und kostenintensive Pflanzung mit bereits vorgezogenen Setzlingen notwendig. Zudem hat die Silphie im ersten Anbaujahr keinen Ertrag und keine Widerstandskraft gegen Begleitvegetation.

 

Über das Projekt:

Seit 2017 wird unter der Marke „Donau-Silphie“ ein Anbauverfahren angeboten, das Lösungen für die drei oben genannten Anbauhemmnisse bietet.

Vorteile dieses Anbauverfahrens:

  • Durch eine Saatgutbehandlung verbessert sich die Keimfähigkeit, wodurch es jetzt möglich ist die Pflanze direkt auszusäen.
  • Die Aussaat erfolgt dabei mit einer eigens umgebauten Sämaschine im Reihenwechsel gleichzeitig mit Mais
  • Der Mais sichert im ersten Anbaujahr einen Ertrag von der Fläche und bietet der Silphie Schutz durch Beschattung und Unterdrückung sonstiger Begleitvegetation.

Nach intensiver Beschäftigung mit der Pflanze und dem neuen Anbauverfahren zeigten sich alle Beteiligten an einem Test unter Praxisbedingungen in unserer Region sehr interessiert.

Demzufolge wurde noch im gleichen Jahr vom Zukunfts-Energie-Netzwerk St. Wendeler Land e.V. mit Mitteln des Bundesmodellvorhabens „Land(auf)Schwung“ ein Projekt zum großflächigen Test des neuen Anbauverfahrens im Landkreis St. Wendel gestartet.

Unser Silphie Film:

Motivation und Zielsetzung

  • möglichst große Gesamtfläche, um auch die Ernte und Einlagerung praxisgerecht beurteilen zu können
  • Minderung des wirtschaftlichen Risikos durch die finanzielle Unterstützung des Modellvorhabens Land(auf)Schwung
  • zentrale Projektabwicklung durch das Zukunfts-Energie-Netzwerk St. Wendeler Land, sowie gemeinsame Planung und fortwährender Austauschen unter den Projektpartnern
  • gemeinsame Öffentlichkeitsarbeit unter Einbeziehung interessierte Gruppen, wie Imker oder Jäger. 

 

Einen Artikel über das Projekt aus dem Umweltmagazin Saar finden Sie hier.

 

 

Projektverlauf

Ende April 2017 erfolgte die Aussaat auf zusammen rund 45 ha. Beteiligt: Neun Landwirte, darunter alle vier Biogasanlagenbetreiber im Landkreis St. Wendel.

Einige Wochen später fand die erste Flächenbesichtigung statt. Trotz der außergewöhnlich starken Frühjahrstrockenheit konnten sich die Pflanzen ausreichend entwickeln. Mit dem einsetzenden Regen und dem anschließend feuchten Sommer 2017 nahm die Entwicklung einen zunehmend positiven Verlauf. Wie bei einem ersten Anbauversuch nicht anders zu erwarten, sind auch Probleme aufgetreten. Diese reichen von der möglicherweise schlechten Eignung einzelner Standorte bis hin zu starker Begleitvegetation.

Nächster wichtiger Schritt war die die Maisernte im Oktober 2017. Diese zeigte, dass sich die Silphie unter dem Schutz des Maises gut entwickeln konnte und ausreichend gestärkt in den ersten Winter gehen kann.

 Im Frühjahr 2018 zeigt sich, dass die Silphie den ersten Winter gut überstanden hat und in ihrem zweiten Lebensjahr erstmalig mit dem angestrebten Größenwachstum beginnt. Im Jahresverlauf wird sich zeigen, wie sich die Silphie auf den Flächen durchsetzen kann und ob man dann ab August die gelb blühenden Silphieflächen im Landkreis St. Wendel schon von weitem beobachten kann.

Seit Anfang 2018 wird der Versuchsanbau vom Fachbereich Bodenkunde der Uni Trier wissenschaftlich begleitet. Im Rahmen von Forschungsaufträgen und Studienarbeiten wird u.a. die Entwicklung des Humusaufbaus analysiert.

In den Folgejahren wird sich zeigen ob die Durchwachsene Silphie die hohen Erwartungen unter realen Anbaubedingungen erfüllen kann und im St. Wendeler Land dauerhaft Wurzeln fasst.

 

  

 

April 2017: Start Anbauversuch auf zusammen 45 ha


Hier eine Übersicht über die Silphie-Flächen in den Kommunen Sankt Wendel, Oberthal, Namborn, Tholey und Freisen 

Trotz starker Frühjahrstrockenheit konnten sich die Pflanzen ausreichend entwickeln. 

 

Die Entwicklung nahm einen zunehmend positiven Verlauf.

 

April 2018: Das Ausschlagen nach dem ersten Winter.

 

Zusammenarbeit mit der Uni Trier zur wissenschaftlichen Begleitung des Probeanbaus. 

 

Rechtzeitig zur Blüte der Silphie wurden Hochsitze  an einzelnen Feldern aufgestellt, um einen besseren Überblick über die fleißigen Insekten im Blütenmeer zu erhalten.