Durchwachsene Silphie
Mehr als nur eine Energiepflanze – Ein Gewinn für Klima und Natur!
Wir stellen dir eines unserer erfolgreichsten und spannendsten Projekte vor, das zeigt, wie Landwirtschaft, Energieerzeugung und Naturschutz im Landkreis St. Wendel Hand in Hand gehen können: den großflächigen Probeanbau der Durchwachsenen Silphie. Dieses Projekt ist nicht nur ein Beitrag zur regionalen Wertschöpfung, sondern wurde 2020 sogar mit dem renommierten Bundeswettbewerb „Klimaaktive Kommune 2020“ ausgezeichnet – ein Erfolg, der das Engagement unserer Landwirte und Partner würdigt!
Die Silphie: Die neue Königin des Ackers?
Die Durchwachsene Silphie, kurz Silphie, ist eine aus Nordamerika stammende Pflanzenart aus der Familie der Korbblütler. In den letzten Jahren hat sie sich aufgrund ihrer großen Biomasseproduktion zu einer vielversprechenden Alternative zum Mais als Energiepflanze entwickelt
Ihre Vorteile im Überblick:
- Langlebigkeit: Die Silphie ist eine mehrjährige Staudenpflanze, die 15 bis 20 Jahre genutzt werden kann.
- Boden- und Erosionsschutz: Durch ihre langanhaltende Bodendeckung und die bis zu zwei Meter tiefe Durchwurzelung wirkt sie sich positiv auf den Humusaufbau, das Wasserhaltevermögen, den Stickstoffgehalt und den Erosionsschutz des Bodens aus.
- Minimaler Aufwand: Ab dem zweiten Standjahr sind keine Bodenbearbeitungen und keine Pflanzenschutzmaßnahmen mehr nötig.
- Wildschutz: Es gibt keine Schäden durch Wildschweine.
- Bienen- und Insektenparadies: Die gelb blühenden Silphiefelder lockern nicht nur das Landschaftsbild auf, sondern bieten durch ihre späte und lange Blühphase von Juli bis September vielen Insekten – und damit auch den Bienen – wertvolle Nahrung in einer sonst blütenarmen Zeit.
Die Herausforderung und die Lösung: Donau-Silphie-Verfahren
Trotz dieser vielfältigen Vorteile konnte sich die Silphie lange Zeit nicht durchsetzen. Das Problem lag in der aufwendigen und teuren Pflanzung mit Setzlingen und dem Fakt, dass die Pflanze im ersten Anbaujahr keinen Ertrag liefert und kaum Widerstandskraft gegen Unkraut besitzt.
Die Lösung liefert das „Donau-Silphie“-Anbauverfahren, das seit 2017 auf dem Markt ist:
- Direktsaat: Dank einer speziellen Saatgutbehandlung verbessert sich die Keimfähigkeit, sodass eine direkte Aussaat der Pflanze möglich ist.
- Reihenwechsel mit Mais: Die Aussaat erfolgt gleichzeitig mit Mais im Reihenwechsel, wobei eine eigens umgebaute Sämaschine genutzt wird.
- Schutz und Ertrag: Der Mais sichert im ersten Jahr den Ertrag von der Fläche und bietet der jungen Silphie Schutz durch Beschattung und Unterdrückung der Begleitvegetation.
Das ZEN-Projekt: Von der Idee zum Erfolg
Nach intensiver Beschäftigung mit der Pflanze und dem neuen Donau-Silphie-Verfahren beschloss das Zukunfts-Energie-Netzwerk St. Wendeler Land e.V. (ZEN), dieses unter Praxisbedingungen in der Region zu testen.
Motivation und Ziele:
- Schaffung einer möglichst großen Gesamtfläche, um Ernte und Einlagerung praxisgerecht beurteilen zu können.
- Minderung des wirtschaftlichen Risikos durch die finanzielle Unterstützung des Modellvorhabens Land(auf)Schwung.
- Zentrale Projektabwicklung und fortwährender Austausch durch das ZEN.
- Gemeinsame Öffentlichkeitsarbeit unter Einbeziehung von Interessengruppen wie Imkern und Jägern.
Im April 2017 erfolgte die Aussaat auf zusammen rund 45 Hektar. Beteiligt waren neun Landwirte, darunter alle vier Biogasanlagenbetreiber im Landkreis St. Wendel. Trotz anfänglicher Probleme, wie starker Frühjahrstrockenheit oder Begleitvegetation, zeigte die Silphie im Schutz des Maises eine gute Entwicklung.
Im Frühjahr 2018 überstand die Silphie den ersten Winter und begann in ihrem zweiten Lebensjahr mit dem angestrebten Größenwachstum. Bereits ab Anfang 2018 wurde der Versuchsanbau zudem vom Fachbereich Bodenkunde der Universität Trier wissenschaftlich begleitet. Das Projekt wurde 2019 fortgesetzt und die Anbaufläche sogar um weitere 24 Hektar erweitert.
Die Krönung: Gewinn des Bundeswettbewerbs
Der Erfolg und die innovative Herangehensweise des Projekts wurden 2020 auf Bundesebene gewürdigt: Der Landkreis St. Wendel gewann mit dem großflächigen Probeanbau der Silphie den Wettbewerb „Klimaaktive Kommune 2020“.
Die Durchwachsene Silphie hat im St. Wendeler Land erfolgreich Wurzeln gefasst und liefert die Hoffnung, dass sie in den Folgejahren die hohen Erwartungen unter realen Anbaubedingungen erfüllen kann. Sie ist ein leuchtendes Beispiel dafür, wie wir unsere Energieversorgung nachhaltig, naturverträglich und regional gestalten können.
